Manchmal beginnt die beste Zusammenarbeit mit einem Notfall.

Das Produktionsteam des Hessischen Rundfunks steckte mitten in den Vorbereitungen zur 1247. Tatort-Episode – „Murot und das Paradies“ mit Ulrich Tukur – als eine zugesagte Hauptlocation kurzfristig absprang. Der Drehplan stand. Die Crew war gebucht. Und plötzlich fehlte das Herzstück: der Ort, an dem die Geschichte spielen sollte.

Sie riefen uns für ein neues Location Scouting an.

Eine Woche. Zehntausende Quadratmeter. Zwei Hochhäuser.

Was folgte, war genau das, wofür wir UEBERRAUM gegründet haben. Kein langer Vorlauf, kein umständliches Briefing – wir kannten die Stadt, wir kannten die Räume, und wir wussten sofort, wo wir suchen mussten.

Innerhalb einer Woche hatten wir eine Lösung: zwei leerstehende Frankfurter Hochhäuser mit zusammen Zehntausenden Quadratmetern – leer, still, und von einer Atmosphäre, die kein Studiogebäude der Welt hätte liefern können.

Das eine war Union West, unser eigener Pop-Up Space, damals noch in Betrieb. Ein Ort mit Geschichte, mit Charme, mit diesem besonderen Gefühl von Aufbruch und Vergänglichkeit, das wir immer geliebt haben. Das andere war das stillgelegte Intercontinental Hotel nebenan – verlassene Korridore, leere Ballsäle, eine fast surreale Schwere in jedem Raum.

Für einen Tatort, der von geheimen Banker-Partys, einem Club namens „Paradies“ und dem dunklen Versprechen ewigen Glücks handelt, hätte es keine passendere Bühne geben können.

Der Rest ist Filmgeschichte

Gedreht wurde im November und Dezember 2022, Premiere feierte der Film im August 2023 auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen – nominiert für den Rheingold-Publikumspreis. Die Erstausstrahlung am 22. Oktober 2023 in der ARD sahen knapp sechs Millionen Menschen, über 21 Prozent Marktanteil.

Regisseur Florian Gallenberger – Oscar-Preisträger, Kenner großer Bilder – hat mit diesem Tatort etwas Ungewöhnliches geschaffen. Einen Film, der sich nicht um die Grenzen des Genres schert, der Kubrick und Tarantino zitiert, der philosophiert und gleichzeitig unterhält. FAZ, Spiegel, taz und Tagesspiegel waren begeistert. Das Publikum war gespalten – was bei Murot-Tatorte fast schon Tradition ist und irgendwie auch zum Besten gehört.

Dass ein Teil dieser Bilder in Räumen entstanden ist, die wir in einer einzigen Woche möglich gemacht haben, macht uns bis heute ein bisschen stolz.

Was bleibt

Den Union West Pop-Up Space gibt es nicht mehr. Das Intercontinental steht weiterhin leer. Aber auf Millionen Bildschirmen existieren die Orte fort – in einem der meistdiskutierten Tatorte der letzten Jahre.

Das ist vielleicht das Schönste an unserer Arbeit: Räume, die eigentlich schon am Ende ihrer Zeit sind, bekommen noch einmal einen großen Moment. Und manchmal wird aus diesem Moment etwas, das bleibt.



Hier geht es zum Tatort in der ARD Mediathek.

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